ESD-Wissen

Kontrolle in der EPA

EPA-Checkliste: die ESD-Schutzzone im Alltag prüfen

Eine Schutzzone wird einmal eingerichtet und danach jeden Tag benutzt. Zwischen diesen beiden Zuständen liegt die Kontrolle.

Zur Checkliste

Die Einrichtung einer EPA ist ein Projekt mit Anfang und Ende: Boden, Tischbeläge, Erdung, Messung, Abnahme. Danach beginnt der Betrieb, und der hat kein Ende. Personal wechselt, Material kommt herein, Kabel werden umgesteckt, Sohlen verschmutzen.

Eine Checkliste hält den Abstand zwischen dem abgenommenen Zustand und dem heutigen klein. Sie ersetzt die Messung nicht, sie sorgt dafür, dass gemessen wird.

Anforderungen

Was eine EPA-Checkliste leisten muss

Listen für die Schutzzone gibt es in jedem Betrieb. Viele hängen laminiert am Eingang und werden nicht gelesen, weil sie aussehen wie eine Hausordnung: Punkte in der Reihenfolge, in der sie jemandem eingefallen sind, ohne Begründung und ohne Namen.

Eine Liste, die im Alltag trägt, ist nach zwei Fragen sortiert. Wann ist der Punkt fällig, und wer ist dafür zuständig. Der Rest ergibt sich daraus, auch die Länge: Was niemandem gehört und keinen Anlass hat, kommt heraus.

01

Begründung je Punkt

Wer weiß, wogegen ein Punkt schützt, hält ihn auch unter Zeitdruck ein. Ohne Begründung wird das Abhaken zur Formsache.

02

Eine Zuständigkeit je Punkt

Jeder Punkt gehört genau einer Rolle. Was allen gehört, prüft am Ende niemand.

03

Sehen und messen getrennt

Beide finden andere Fehler und haben andere Abstände. Steht die Messung als Unterpunkt der Sichtprüfung, fällt sie zuerst weg.

04

Ein Ergebnis, das bleibt

Eine Prüfung ohne Notiz ist nach einer Woche nicht mehr auffindbar. Erst die Reihe von Werten zeigt, ob sich etwas verschlechtert.

Der Mensch

Vor dem Betreten: die persönliche Ausrüstung

Der Mensch bringt die Ladung mit. Er bewegt sich, zieht Kleidung an und aus, und er ist der einzige Teil der Zone, der sich vor Arbeitsbeginn selbst prüfen kann.

01

Schutzkleidung geschlossen tragen

Die ESD-Kleidung schirmt die Ladung der Privatkleidung ab und leitet sie ab. Offen getragen tut sie beides nur zur Hälfte.

02

Erdung mit Hautkontakt anlegen

Ein Erdungsband über dem Ärmel erdet den Ärmel. Das Band gehört auf die Haut und das Kabel in den vorgesehenen Erdungspunkt.

03

Funktion prüfen, nicht annehmen

Ein Band kann äußerlich unversehrt sein und innen einen gebrochenen Leiter haben. Sichtbar wird das nur am Personentester.

04

Ohne Einweisung nicht hinein

Zugang hat, wer geschult ist. Wer nicht weiß, warum ein Bauteil im Beutel bleibt, nimmt es heraus, um es genauer anzusehen.

Material

Was nicht in die Schutzzone gehört

Der zweite Teil der Liste betrifft Gegenstände. Die Frage ist bei jedem dieselbe: Ist es für den Einsatz in der Zone freigegeben, oder trägt es seine Ladung mit hinein?

Gewöhnliche Kunststoffverpackung

Folie, Klarsichthülle, Kaffeebecher. Diese Materialien laden sich beim Bewegen auf und geben die Ladung nicht wieder ab. Bauteile reisen in ESD-Verpackungen, und ausgepackt wird außerhalb der Zone.

Private Geräte

Mobiltelefone und Kopfhörer stecken in isolierenden Hüllen und wandern zwischen Tasche und Tisch. Für sie braucht es eine festgelegte Ablage außerhalb des Arbeitsbereichs.

Isolierendes auf der Arbeitsfläche

Ordner, Klebeband, Kunststoffschalen. Was neben dem Bauteil liegt und seine Ladung hält, wirkt wie ein Feld in unmittelbarer Nachbarschaft. Auf der Fläche bleibt, was gebraucht wird und ableitfähig ist.

Reibung

Jede Trennung zweier Materialien erzeugt Ladung, das Abrollen von Klebeband genauso wie das Aufreißen einer Tüte. Solche Arbeitsschritte gehören vor die Zone.

Freigegeben heißt, dass der Betrieb das Material für die Zone bestimmt hat. Eine Tüte, die aussieht wie eine ESD-Tüte, ist keine.

Zuständigkeit

Wer prüft was

Die meisten Listen scheitern nicht an fehlenden Punkten, sondern an fehlenden Zuständigkeiten. Deshalb steht in einer brauchbaren Liste neben jedem Punkt eine Rolle.

Mitarbeiter

Vor Arbeitsbeginn

Die Prüfungen, die jeder selbst übernimmt, bevor er an einem Platz in der Schutzzone zu arbeiten beginnt.

Was geprüft wird

  • Schutzkleidung geschlossen tragen
  • Erdungsband oder Fersenbänder anlegen und am Tester prüfen
  • Erdungskabel und Steckverbindung ansehen
  • Arbeitsfläche von isolierendem Material freihalten

Womit

Braucht keine Messtechnik, bis auf den Personentester am Eingang der Zone.

ESD-Koordinator

Wiederkehrend

Die Prüfungen, die geplant, gemessen und protokolliert werden, damit der Zustand der Zone belegt ist.

Was geprüft wird

  • Ableitwiderstand von Tischbelägen, Böden und Stühlen
  • Funktion der Erdungsverteilung und der Überwachung
  • Kalibrierstand der eigenen Prüfgeräte
  • Messwerte gegen die Erstprüfung stellen
  • Schulungsstand des Personals

Womit

Braucht Messtechnik, feste Messpunkte und Protokolle, die sich vergleichen lassen.

Die Abstände für die wiederkehrende Prüfung legt das Kontrollprogramm des Betriebs fest, nicht eine allgemeine Empfehlung. Sie hängen an der Nutzung des Platzes und gehören zusammen mit den Messpunkten schriftlich fixiert. Ohne diese Festlegung prüft jeder etwas anderes, und zwei Protokolle lassen sich nicht vergleichen.

Wer nicht bei Null anfangen will, findet im Leitfaden zum ESD-Arbeitsplatz mit der EPA-Checkliste als Plakat die Ausstattung eines Platzes zusammengefasst und eine Vorlage, die sich ausdrucken und an den Eingang hängen lässt.

Nachweis

Messen statt schätzen

Eine Sichtprüfung findet, was zu sehen ist. Der Ableitwiderstand gehört nicht dazu, und genau er ist die Eigenschaft, auf der die ganze Zone aufbaut.

Gemessen wird dort, wo die Erdung wirken soll: an der Person über den Personentester, an Tischbelägen und Ablagen, am Boden und an den Verkehrsflächen, an Stühlen und Transportwagen. Ionisatoren fallen aus dieser Reihe heraus. Bei ihnen zählt nicht der Widerstand, sondern die Zeit, in der eine geladene Platte entladen wird, und dafür gibt es den Charged Plate Monitor.

Eine Messung ist so viel wert wie ihre Wiederholbarkeit. Derselbe Punkt, dieselbe Elektrode, dasselbe Verfahren: Erst dann sagt der Vergleich mit der letzten Messung etwas aus. Wechselt das Gerät oder die Person, gehört das ins Protokoll.

Das Prüfgerät ist selbst ein Prüfmittel. Ohne Kalibrierung ist sein Ergebnis eine Zahl ohne Rückhalt, und im Audit ist das die Stelle, an der die Beweiskette reißt.

Wer die Prüfmittel neu zusammenstellt, kommt mit einem einzelnen Gerät nicht weit. Es gibt zusammengestellte Audit-Kits für die wiederkehrende Prüfung, in denen Messgerät, Elektroden und Zubehör aufeinander abgestimmt sind.

Kurz beantwortet

Häufige Fragen

01Wie oft muss eine EPA geprüft werden?

Die Norm verlangt ein ESD-Kontrollprogramm mit festgelegten Prüfabständen. Welche Abstände das sind, legt der Betrieb selbst fest und begründet es.

Die Begründung stützt sich auf die Nutzung. Ein Platz, an dem täglich gelötet und umgebaut wird, braucht kürzere Abstände als ein Prüfplatz, der einmal pro Woche belegt ist. Wichtig ist weniger die Zahl als die Wiederholbarkeit: derselbe Punkt, dasselbe Verfahren, dasselbe Protokoll. Sonst lassen sich zwei Messungen nicht vergleichen.

02Wer darf eine ESD-Schutzzone betreten?

Wer eingewiesen ist. Die Zugangsbeschränkung auf geschultes Personal ist Teil des Kontrollprogramms, nicht eine Frage der Höflichkeit.

Besucher und externe Kräfte kommen mit Begleitung hinein, tragen die vorgeschriebene Ausrüstung und fassen keine Bauteile an. Das betrifft auch Handwerker und Reinigungspersonal, die häufig übersehen werden, obwohl sie sich in der Zone bewegen und Material mitbringen.

03Reicht eine Sichtprüfung?

Für einen Teil der Punkte ja. Ein abgerissenes Erdungskabel, eine aufgewölbte Tischmatte oder ein Ordner auf der Arbeitsfläche sind zu sehen.

Der Ableitwiderstand ist nicht zu sehen. Ein Erdungsband kann äußerlich unversehrt sein und innen einen gebrochenen Leiter haben, eine Schuhsohle kann durch Verschmutzung ihre Funktion verlieren, ohne sich zu verändern. Deshalb steht die Messung in der Checkliste getrennt von der Sichtprüfung und nicht als deren Bestätigung.

04Handgelenkband oder ESD-Schuhe, was wann?

Das Handgelenkband erdet über ein Kabel und passt an den sitzenden Arbeitsplatz. Es wirkt nur bei Hautkontakt, ein Band über dem Ärmel erdet den Ärmel.

ESD-Schuhe und Fersenbänder erden über den Boden und passen dort, wo sich Personen bewegen. Sie brauchen einen ableitfähigen Boden, sonst führt der Weg zur Erde ins Nichts. Wo beides zusammentrifft, also am Steharbeitsplatz oder beim häufigen Wechsel zwischen Plätzen, wird beides getragen und beides geprüft.

05Warum fallen Bauteile erst später aus?

Eine Entladung zerstört ein Bauteil nicht immer sofort. Sie kann die Struktur vorschädigen, ohne dass eine Funktionsprüfung etwas findet.

Das Gerät verlässt die Fertigung, arbeitet und fällt später beim Kunden aus. Für die Fehlersuche ist dieser Fall der unangenehmste, weil zwischen Ursache und Wirkung Wochen liegen und die Endprüfung unauffällig war. Vorbeugen lässt sich das nur in der Zone, nicht am Prüfplatz danach.

06Dürfen private Mobiltelefone in die EPA?

Gehäuse und Schutzhüllen bestehen aus isolierendem Kunststoff. Sie laden sich beim Tragen auf und geben die Ladung nicht ab, im Zweifel direkt neben einem offenen Bauteil.

Praktikabel ist eine feste Regel statt einer Einzelfallentscheidung: entweder draußen lassen oder an einer festgelegten Ablage außerhalb des Arbeitsbereichs. Was im Kontrollprogramm steht, lässt sich einhalten und prüfen. Was von der Tagesform abhängt, nicht.

Der schnellste Einstieg ist kein neues Formular, sondern ein Rundgang mit dem alten: eine Stunde Zeit, ein Personentester, ein Messgerät für Oberflächen. Jeder Punkt, den dabei niemand zuordnen kann, ist der erste Kandidat für die Überarbeitung.

Wer die Rollen im Betrieb erst aufbauen muss, findet in den Seminaren der ESD-Akademie den Rahmen dafür, von der Basisschulung bis zur Ausbildung zum Auditor. Für Fragen zur eigenen Zone genügt ein Anruf.